Verladetraining - Pat Parelli


Wer kennt es nicht, man will mit seinem Pferd einen Ausflug machen oder in den Urlaub fahren, doch vor der Entspannung steht erstmal Stress für Pferd und Reiter auf dem Programm, weil das Pferd den Gang auf den Hänger als absolut unüberwindbares Hindernis ansieht.

Auch Eik und ich hatten dieses Problem, aber mittlerweile haben wir das Ganze soweit im Griff, dass Eik alleine auf den Hänger geht während ich daneben stehen bleiben kann. Auch die Trennwand muss nicht zur Seite gestellt oder ausgebaut werden. Das Verladen dauert bei uns jetzt noch ca. 1-2 Minuten und weder Eik noch ich sind gestresst.

Damit auch ihr zukünftig entspannt mit eurem Pferd wegfahren könnt, habe ich diesen Artikel geschrieben, indem ich das prinzipielle Vorgehen beschreibe durch das ich es damals mit Eik geschafft habe. Bei Bedarf bin ich auch gerne bereit euch beim Verladetraining zu unterstützen sofern ihr in meiner Nähe (Großraum Braunschweig) zu Hause seid. Solltet ihr weiter weg wohnen könnt ihr aber trotzdem anfragen, vielleicht ergibt sich ja doch eine Möglichkeit. Falls Interesse besteht oder ihr noch weitere Informationen zum Thema Verladetraining möchtet, meldet euch einfach direkt per eMail bei mir. Mein Ziel ist es, dass ihr euer Pferd verladen könnt und nicht irgendjemand anderes, denn davon hat man recht wenig, wenn man mal ganz alleine mit seinem Pferd neben dem Hänger steht.

Kommen wir also zum eigentlichen Verladetraining. Im Prinzip läuft das Verladen bzw. das Verladetraining genauso wie die sieben Spiele/das laterale Longieren von Pat Parelli. Ich denke, dass die Zeit und die Trainingseinheiten, die man braucht bis das Pferd auf den Hänger geht, auch davon abhängen wieviel Übung Mensch und Pferd mit den sieben Spielen haben. Eine weitere Rolle spielt mit Sicherheit auch der Grund, aus dem das Pferd nicht auf den Hänger gehen will. Ist es einfach Respektlosigkeit oder hat das Pferd vielleicht schlechte Erfahrungen beim Verladen gemacht? Vielleicht musste es auch mal mit jemandem fahren, der absolut nicht Hänger fahren konnte. Oder das Pferd fürchtet sich einfach vor der Enge des Hängers, schließlich geht ein Pferd von Natur aus nicht freiwillig in enge Höhlen.

Bevor man mit dem eigentlichen Verladen anfängt, stellt man den Hänger einfach mit dazu während man sein Pferd, wie sonst auch, lateral longiert/mit ihm spielt. Während der Spiele nähert man sich dem Hänger immer etwas mehr und achtet darauf ob das Pferd unruhig wird, wenn nicht kann man sich noch etwas dichter an den Hänger heranwagen, ansonsten spielt man weiter und guckt ob sich das Pferd beruhigt, wenn nicht kann man den Abstand auch wieder etwas vergrößern.

Nach meiner Erfahrung kann man das ganze ruhig so lange machen wie es Spaß macht, wenn man allerdings merkt, dass man sauer wird und aus Spaß plötzlich Ernst wird, sollte man lieber aufhören oder dafür sorgen, dass sich die eigene Laune wieder bessert. Befolgt ihr diesen Rat nicht, werdet ihr euer Pferd wahrscheinlich niemals freiwillig und ruhig auf den Hänger gehen sehen. Ein Pferd merkt eure Anspannung sofort und wird sich ebenfalls verspannen und "zu machen".

Wenn ihr soweit seid, dass ihr euer Pferd zwischen euch und dem Hänger "durchlongieren" könnt (Engpassspiel) und der Abstand zwischen euch und dem Hänger ca. 1m beträgt, könnt ihr den Hänger öffnen und euer Pferd nochmal zwischen euch und der Rampe durchschicken. Klappt auch das problemlos, stellt ihr euch einfach direkt an die Rampe und longiert euer Pferd auf die Rampe.

Mit etwas Glück marschiert euer Pferd direkt auf den Hänger und ihr habt erreicht was ihr wolltet. Bleibt es vor oder auf der Rampe stehen, seid unnachgiebig, will es rückwärts gehen, versucht gegenzuhalten und mit dem schwingenden Ende des Seils das Pferd vorwärts zu bewegen. Macht euer Pferd einen Schritt vorwärts hört auf das Seilende zu schwingen, geht es wieder rückwärts oder bleibt stehen, schwingt das Seil erneut. Wichtig ist hierbei, nie ungeduldig zu werden. Ein Zerren am Seil oder ein Schlagen mit dem Seilende ist nicht nötig und sollte vermieden werden. Um den "Druck" zu erhöhen sollte es reichen, das Seilende schneller zu schwingen. Achtet auch darauf, dass euer Pferd mit seiner Aufmerksamkeit bei euch und dem Hänger ist. Wenn es in der Gegend rumguckt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es in die Gegend rennt größer als dass es freudig auf den Hänger stürzt.

Der ganze Prozess kann eine ganze Weile dauern, wenn ihr merkt das euch die Lust oder die Geduld verlässt oder ihr keine Zeit mehr habt, kommt zu einem positiven Ende. Ich weise nochmal darauf hin, dass schlechte Laune alles was ihr bisher geschafft habt wieder ruinieren könnte, also nehmt euch die Zeit die ihr braucht, am Ende wird es sich mehr als auszahlen.

Ist euer Pferd erstmal komplett auf den Hänger gegangen, lasst es in aller Ruhe stehen solange es stehen will, knallt auf keinen Fall gleich die Klappe zu oder etwas in der Art, bleibt ruhig lobt euer Pferd und wartet. Falls euer Pferd gar nicht wieder rauskommen will, könnt ihr versuchen es vorsichtig rauszulocken.

Jetzt lobt ihr euer Pferd und macht eine kurze Pause, danach könnt ihr nochmal probieren euer Pferd auf den Hänger zu schicken, klappt es auch diesmal könnt ihr für heute Feierabend machen oder es noch 1-2x probieren, je nach Lust und Laune.

Das ganze übt ihr nochmal an ein paar anderen Tagen und wenn alles gut läuft, sollte euer Pferd von nun an problemlos auf den Hänger gehen.

Beim ersten Üben mit Hänger hat Eik 30 Minuten gebraucht bis er auf dem Hänger stand. Beim zweiten Mal brauchte er gerade mal 2-3 Minuten. Beim nächsten Verladen wollte ich anschließend auch mit Eik wegfahren, dieses Mal brauchten wir gerade mal eine knappe Minute, aber ich hätte auch 2 Stunden Zeit gehabt.

Voraussetzung für den ganzen Prozess ist es, dass die Grundlagen des lateralen Longierens bei Pferd und Reiter sitzen. Wenn man also beim Schwingen des Seils noch einen Knoten in die Arme bekommt, sollte man mit dem Verladetraining noch etwas warten.

Und noch ein kleiner Hinweis am Rande, dieser Artikel heißt nicht umsonst Verladetraining, denn wenn ihr mit dem Verladen Probleme habt müsst ihr es trainieren und zwar nicht erst an dem Tag an dem ihr verreisen wollt. Ein Marathonläufer trainiert schließlich auch nicht erst bei einem Lauf um die Weltmeisterschaft.

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