Zehen- und Trachtenhöhe

Übersetzung des Artikels "Toe and Heel Length" von Pete Ramey


Dieser Artikel wurde geschrieben um mehr Klarheit bezüglich des Artikels "Die distale Absenkung umkehren" zu schaffen. Bitte lies diesen zuerst.

Wenn du meine früheren Arbeiten gelesen hast weißt du, dass ich mich meistens hüte immer oder niemals zu sagen: die Pferde haben mir das beigebracht. In diesem Artikel wirst du diese Worte wiederholt lesen. Du solltest wissen das ich sie nicht leichtfertig gebrauche.

Den meisten Hufpflegeprofis wurde beigebracht Hufe nach bestimmten Gesichtspunkten, basierend auf Zehenlänge und Trachtenhöhe, zu trimmen. Die verfolgten Ziele variieren von Methode zu Methode, aber die meisten gehen von einer Zehenlänge von 3 bis 3 1/2 inches und einer Trachtenhöhe von fast 0 bis 2 oder mehr inches aus. Das Problem mit Bearbeitungstheorien, die gewisse Huflängen, basierend auf Messungen vom Kronrand bis zum Boden, durchsetzen ist, dass sie die Tatsache, dass der Kronrand extrem dynamisch und leicht verschiebbar ist, nicht mit einrechnen. Übermäßiger Druck auf die Wände kann den Kronrand ziemlich leicht nach oben verschieben. Er ist der letzte Punkt von dem aus wir messen sollten! Ich werde versuchen deine Denkweise zu verändern, so dass du hinter den Kronrand und die Hufwand blicken kannst. Jeder der sich um Pferdehufe kümmert muss zunächst die internen Strukturen sehen.

Die Hufwand war nie dafür bestimmt das Gewicht des Pferdes alleine zu tragen. Die Sohle, der Strahl und die Eckstreben sind dazu gedacht im Einklang mit den Hufwänden zu arbeiten um die Aufprallenergie des Pferdes zu tragen. Für traditionelle Hufschmiede ist es leider immer noch üblich die Hufwände zu zwingen auf unnatürliche Weise die gesamte Bürde allein zu tragen. Im laufe der Zeit schiebt diese unnatürliche Last auf die Wände den Kronrand an eine höhere Position (verhältnismäßig zum Hufbein). Um es anders auszudrücken, dass ganze Pferd sinkt in die Hufkapsel. Üblicherweise wird dies nur als Begleiterscheinung einer schweren Hufrehe angesehen, aber variierende Gradzahlen sind bei Hufen domestizierter Pferd, die als absolut gesund wahrgenommen werden, sogar weitverbreitet. Sie kommen oft jahrelang damit zurecht, bis die Wirklichkeit sie einholt und schwere Lahmheiten verursacht.

Wildpferdehuf, zur Verfügung gestellt von Cheryl Henderson. Danke!

Sezierter Wildpferdehuf Sezierter Wildpferdehuf einzeln

Jeder Hufpfleger sollte soviele Kadaverhufsezierungen durchführen wie möglich. Das ist der beste Weg ein Verständnis der internen Strukturen zu entwickeln. Hier habe ich die Haut entfernt, was genauer gesagt die Hufwand, die Sohle und der Strahl sind.

Sezierter Wildpferdehuf, Hufbein und seitliche Knorbel eingezeichnet Sezierter Wildpferdehuf, Sohlenansicht

Linkes Foto (bitte entschuldige mein mangelndes Talent für Grafiken): Die blaue Linie repräsentiert das Hufbein, die grüne Linie die seitlichen Knorpel. Beide Fundamente sind mit einer dünnen (3/16 inch) Schicht lebenden Gewebes bedeckt. Es ist sehr wichtig die Form der internen Strukturen zu verstehen. Ein Pferd muss immer wenigstens 1/2 inch dicht verhornte Sohle und einen Strahl, der sie bespannt, besitzen.

Jede Situation ist unterschiedlich, aber jedes Pferd braucht eine angemessen dicke und dicht verhornte Sohle unter dem Hufbein und den seitlichen Knorpeln. Dies sollte unter allen Umständen höchste Priorität haben. Wenn das erstmal erreicht ist und die Trachten- oder die Zehenwandlänge ist zu lang, dann wurde der Kronrand im laufe der Zeit durch übermäßigen Druck auf die Wände auf eine unnatürlich hohe Position gedrückt. Durch angemessene Bewegung, Ernährung und Bearbeitung wird der Kronrand im laufe der Zeit auf eine natürliche Position herunterkommen, was die Wandlänge verkürzt. Die Kehrseite hiervon ist, dass, falls du zuerst die Sohle ausdünnst um eine korrekte Wandlänge zu erreichen, das Pferd Überstunden schieben wird um die verlorene Schutzschicht zu ersetzen und die Überlänge, die du entfernt hast, wird immer wiederkommen und oft noch schlimmer werden.

Wie kannst du das umsetzen? Zuerst solltest du die Länge der Hufwände vergessen (an der Zehe, an den Trachten, an den Seiten... überall). Die oberste Priorität ist es, dass genug (aber nicht übermäßig viel) Sohle unter dem Hufbein und den seitlichen Knorpeln vorhanden ist. Im praktischen Einsatz gibt es immerhin zwei genaue Methoden, die Sohletiefe zu beurteilen. Die erste und führende ist die Verhornung der Sohle. Barhufpferde, die sich korrekt bewegen, neigen dazu ihre Sohlen einheitlich mit einer Dicke von 1/2 bis 5/8 inch zu verhornen und die Hornhaut sollte nicht mit deinen Werkzeugen belästigt werden. Suche nach dieser verhornten Sohlenebene und du wirst bemerken, dass sie fast immer parallel zu den inneren Strukturen ist. Ausnahmen kommen vor, wenn die Sohlen des Pferdes vom vorherigen Bearbeiter ausgedünnt wurden oder wenn sich das Pferd nicht korrekt bewegt. Ein alltägliches Beispiel ist ein Pferd, dass, aufgrund von Schmerzen im Trachtenbereich, zuerst auf der Zehe landet. Die Sohlen an der Zehe werden fast immer dünner sein und das Hufbein wird sich fast immer an eine sehr niedrige Position im der Hufkapsel bewegen. Pferde mit verformten Gliedmaßen könnten ihre Sohlen ebenfalls auf einer Seite stärker abnutzen, aber das ist sehr selten. Es kann natürlich genauso gut andersrum verlaufen: Beschlagene Pferde und Barhufpferde mit Bewegungsmangel (besonders in ausgedörrten Gegenden) könnten falsche Sohlen oder Schichten von altem Horn haben, die im allgemeinen entfernt werden sollten.

Anstatt diese Ausnahmen zu sondieren, ist Plan B die Sohlentiefe anhand der Strahlfurchen (Übergang zwischen Strahl und Sohle) zu beurteilen. Ihr tiefster Punkt entlang der Seiten des gesamten Strahls ist durchweg ca. 7/16 inch von der Lederhaut entfernt, die das Hufbein und die seitlichen Knorpel bedeckt, und ist somit ein großartiger Anhaltspunkt. Je mehr Sohlentiefe im äußeren Bereich nahe der weißen Linie vorhanden ist, desto höher werden die Strahlfurchen vom Boden abgehoben. In einem gesunden Huf mit angemessener Sohlentiefe sollte die Sohle im äußeren Bereich nahe der weißen Linie die Strahlfurche vorne um ca. 3/4 inch und hinten, neben den Eckstreben, um ca. 1 inch vom Boden abheben (diese Extrahöhe hinten am Huf erlaubt die Ausdehnung und eine bodenparallele Strahlfurche bei höchsten Aufprallbelastungen). Die Strahlfurche ist sehr gut zur Beurteilung der Sohlendicke vorn am Huf, da das Hufbein unbeweglicher ist, doch die Biegsamkeit der seitlichen Knorpel macht es kniffliger sie hinten am Huf zu beurteilen. Zum Beispiel werden in einem Huf mit zusammengezogenen Trachten die seitlichen Knorpel nach oben in ein höheres Gewölbe gezogen. Das könnte etwa bedeuten, dass eine Strahlfurchenhöhe von 1 1/2 inch notwendig ist um eine angemessene Sohlendicke an der weißen Linie zu ermöglichen. Deshalb ist hinten am Huf die Ebene der verhornten Sohle der beste Anhaltspunkt und die Srahlfurchen geben zusätzliche Informationen; Vorne am Huf sind die Strahlfurchen der beste Anhaltspunkt und die Ebene der verhornten Sohle bietet zusätzliche Informationen (Bitte lies die vorherigen Artikel "Die Sohlen verstehen" und "Ein Huf für alle Jahreszeiten" um mehr Klarheit zu schaffen).

Indem man diese Informationen nutzt um die Sohlentiefe zu beurteilen, die die inneren Strukturen bedeckt kann man beurteilen ob der Kronrand sich an einer unnatürlich hohen Position befindet. Befindet sich der Kronrand an der richtigen Stelle und eine angemessene Sohlendicke ist vorhanden, sollte die Zehenlänge zwischen 3 und 3 1/2 inches liegen und die Trachtenhöhen bei den meisten Pferden ungefähr bei einem inch, je kürzer desto besser, wirklich. Sind die Wandlängen größer ist entweder der Kronrand vertikal verschoben, die Zehen sind vom Hufbein abgezogen und/oder die Trachten sind zusammengezogen (was das Gewölbe der seitlichen Knorpel steigert). In keinem dieser Fälle ist es nicht mal im entferntesten Sinne richtig die Sohle auszudünnen um korrekte Wandlängen zu erhalten. Das würde bloß eine Verletzung zu einer anderen hinzufügen. Die Wandlänge (an Trachten oder Zehe) sollte die letzte Sache sein, die wir beurteilen und an der wir arbeiten, aber die Leute gehen diese, auf Kosten der Sohle, viel zu oft zuerst an. Warum? Weil es hunderte von verschiedenen Büchern gibt, die uns lehren es so zu machen.

Kronrand ohne Druck Kronrand unter leichtem Daumendruck

Sobald du verinnerlicht hast wie dynamisch der Kronrand tatsächlich ist, wird es ernüchternd darüber nachzudenken, wieviele voreilige Entscheidungen üblicherweise aufgrund der Länge der Hufwand gemacht werden. Hier bewege ich den Kronrand fast einen inch mit minimalem Daumendruck.

Die selben Informationen und ein Verständnis von den internen Grundlagen werden dir bei den schwersten medialen oder lateralen Balanceproblemen helfen. Zuerst solltest du verstehen das niemand einen Huf ausbalancieren kann. Das ist einfach nicht möglich. Wenn du mir einen perfekt ausbalancierten Huf zeigst, werde ich das Pferd in eine Wendung führen und wir werden beobachten, dass die Trachten den Boden nicht im Einklang berühren. Also was ist richtige Trachtenbalance? Bei richtiger Trachtenbalance bedeckt auf beiden Seiten des Hufs genau die gleiche Menge Sohle die seitlichen Knorpel und die gleiche Menge an Hufwand ragt auf beiden Seiten über die Sohlenebene heraus. (Bitte lies den vorherigen Artikel "Trachtenhöhe; Der Entscheidungsfaktor".)

Für das Pferd ist es notwendig, dass beide Trachten so oft wie möglich gleichzeitig auf dem Boden auftreffen, aber in der wahren Welt machen sich verändernde Untergründe, die Art der Bewegung und Arbeit die das Pferd vollführt und die Stellung der Gliedmaßen jeden Aufprall ein bisschen anders. Die natürliche Biegsamkeit (Drehung) der seitlichen Knorpel entspricht dem Untergrund und passt sich diesem leicht an, aber als zusätzliche Hilfe machen sie eine weitere beeindruckende Sache. Die seitlichen Knorpel justieren beinahe dauerhaft ihre Ruhelage um die meisten Aufschläge eines individuellen Hufs abzufangen. Ein Huf der den Boden normalerweise leicht schief berührt, z.B. wegen einer Gelenksdeformation oder wegen körperlichen Problemen, wird seine seitlichen Knorpel entsprechend justieren. Auch ein Pferd mit perfekt geraden Beinen kann solche Justierungen vornehmen, passend zu seiner hauptsächlichen Arbeit. Im Trab zum Beispiel sollte ein Pferd den Boden mit seinen Hinterbeinen unter sich berühren (wie ein Seiltänzer). Pferde die üblicherweise im Trab arbeiten (Distanzpferd, Traber...) werden seitliche Knorpel entwickeln, die auf der Innenseite niedriger sind (oder aus der Perspektive des Bearbeiters; der Huf wird auf der Innenseite länger erscheinen) so dass beide Trachten den Boden bei dieser Bewegung gleichzeitig berühren. Das ist eine gute Sache und sollte ermöglicht und vom Bearbeiter wahrgenommen werden (aber lass es nicht aus dem Ruder laufen).

Wenn der Barhufbearbeiter oder Schmied die Bewegung des Pferdes nicht berücksichtigt und versucht diese Anpassung zu bekämpfen indem er den Huf zwingt balanciert zu sein, wenn es geschlossen steht, wird die daraus resultierende überschüssige Wand (aus der Sicht des Pferdes), den Kronrand im laufe der Zeit nach oben schieben. Nochmal, dieses Vorgehen ist weit verbreitet und noch mal, die Balance der Haarlinie oder des Kronrands sollte das letzte sein was wir beurteilen, es handelt sich hier nur um eine Betrachtung der bisherigen Pflege. Ich habe viele Pferde mit erschreckend verschobenen und unbalancierten Kronrändern gesehen, aber ich habe nie eine Situation erlebt in der es nötig gewesen wäre das ein seitlicher Knorpel mit mehr Sohle bedeckt sein müsste als auf der andere Seite des selben Hufs.

Also sind wir wieder genau da wo wir versucht haben die Probleme mit der Trachtenbalance durchzuarbeiten: Nutze die Ebene der verhornten Sohle und die Tiefe der Strahlfurchen um sicherzustellen, dass du die selbe Menge an Sohle auf beiden Seiten hast und mache nicht mehr als die Höhe der Haarlinie an den Trachten zu kontrollieren. Die Haarlinien und Bodenhöhe wird sich im laufe der Zeit angleichen, wenn das Pferd die Trachtenbalance haben darf, die mit seiner Bewegung und der Position der seitlichen Knorpel übereinstimmt. [Dies kann/sollte beschleunigt werden, indem man eine aggressivere (steilere) Mustangrolle/Schräge auf der Seite anbringt, die den hohen Kronrand hat].

Jedes Pferd und jeder Huf ist anders. Ich gerate immer noch in neue Situationen, die mich kopfkratzend dastehen lassen, es gibt keine Möglichkeit sich hinzusetzen und über jede mögliche Situation, die du in der wahren Welt antreffen wirst, zu schreiben. Ich kann dir sagen, dass, je besser du darin wirst durch die Hufwand zu blicken und die inneren Strukturen zu visualisieren, desto besser wirst du darin sein durch jedes Hufproblem durchzusteigen. Die beste Hilfe hierbei ist soviele Kadaverhufsezierungen durchzuführen wie möglich. Begrabe niemals einen Huf, du verpasst eine Chance dich für die Pferde in deiner Obhut zu verbessern.

Es gibt unzählige Faktoren, die die Zehenlänge und Trachtenhöhe beeinflussen. Sensible und unterentwickelte seitliche Knorpel und Strahlpolster können die Notwendigkeit für höhere Trachten ebenso schaffen, wie Probleme mit Bändern, Sehnen, Gelenken und Muskeln. Verbogene oder rotierte Zehenwände können die Zehenlänge dramatisch beeinflussen. Die Liste geht weiter und weiter.

Aber trotz der vielen wenn und und aber die wir jeden Tag durchdenken müssen ist eine Sache konstant. Es ist einfach niemals nötig die Sohle unter ihre natürlich dicke auszudünnen. Das linke Foto zeigt die natürliche, einheitlich dicke Sohle eine gesunden Pferdes. Die anderen drei (rote Linien) zeigen weit verbreitete Fehler, die ich jeden Tag sehe. Wie ist es für einen Profi überhaupt möglich so etwas zu tun? Eine große Mehrheit von Profis wurde darauf trainiert das Hauptaugenmerk auf die Winkel und Längen der Trachten und Zehenwand zu legen und hierfür die Sohlendicke zu opfern. Viele Barhufbearbeiter würden in oder nahe der Lederhaut schneiden um zu versuchen, die Trachtenwände zu kürzen. Viele Hufschmiede würden routinemäßig viel benötigte Sohle von der Zehe entfernen um zu versuchen die Zehenwände zu kürzen oder um den Zehenwinkel zu erhöhen. Ich hoffe dieser Artikel macht dies etwas weniger üblich.

Sohlen normal Sohle hinten ausgedünnt
Sohle vorne ausgedünnt Sohle generell ausgedünnt

Brenne diese Bilder in dein Gehirn ein und immer wenn du siehst das die Sohle getrimmt wird frag dich selbst, welches der vier Bilder ist dem Endergebnis am ähnlichsten.

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